Langengasse 2/Maingasse 16, Sulzfeld a.M.

Instandsetzung, Restaurierung und Umbau des Anwesens Langengasse 2/Maingasse 16
Hotel Bernard und Gasthaus zum Goldenen Löwen
97320 Sulzfeld am Main
Leistungsphase 2-8 gemäß HOAI
Fertigstellung 2023

Städtebauliche Situation

Das Anwesen Langengasse 2/ Maingasse 16 mit dem Gasthaus zum Goldenen Löwen liegt direkt hinter dem Haupttor der hervorragend erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer der Gemeinde Sulzfeld a. Main. Am Marktplatz, schräg gegenüber dem Rathaus gelegen, hat die Gebäudegruppe herausragende städtebauliche Bedeutung.

Baubeschreibung (vor der Instandsetzung)

Das Einzeldenkmal Langengasse 2 ist ein ca. in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtetes, zweigeschossiges Gebäude mit winkelförmiger Grundfläche. Die Außenwände im Erdgeschoss bestehen aus Bruchsteinmauerwerk, im Obergeschoss teilweise noch aus bauzeitlichem Fachwerk mit Bruchsteinausfachung. Die Fachwerk-Innenwände des Obergeschosses haben teils noch die originale Farbfassung des 18. Jahrhunderts mit grauen Balken, weißen Feldern und schwarzem Begleitstrich. Im Erdgeschoss des Hauptbaukörpers sind Bestandteile mindestens eines Vorgängerbaus erhalten und integriert. Zwei tonnengewölbte Keller, die nachträglich durch einen Verbindungsgang mit Seitennische miteinander verbunden wurden, sind sicherlich ebenfalls älter als der barocke Hauptbau. In dem Flügel entlang der Langengasse befinden sich im Erdgeschoss die Gasträume und die Küche. Im abgewinkelten Nordflügel und im hofseitigen Anbau liegen die Nebenräume. Die Toiletten sind dort im Bereich des nord-östlichen Giebels in einem mit zwei Kreuzgratjochen überwölbten Raum untergebracht. Im Obergeschoss, die gesamte Gebäudetiefe des straßenseitigen Flügels einnehmend, gibt es einen großen ehemaligen Fest- bzw. Tanzsaal mit ca. 12,5 x 8,5 Metern, der um die Jahrhundertwende des 19./20.Jahrhunderts errichtet wurde. Die restlichen Räume im Obergeschoß sind ehemalige Gästezimmer und Räume einer leerstehenden Wohnung. Der straßenseitige Flügel wurde vermutlich im 19. Jahrhundert um 3,5 Meter in Richtung Hof erweitert und mit einem Pultdach versehen. Nord-östlich eines kleinen Hofes, parallel zur Langengasse, gibt es einen jüngeren Fachwerkanbau und einen ehemaligen Schlachtraum mit steilem Pultdach. Bei dem Dachwerk aus dem 18. Jahrhundert handelt sich um einen sogenannten einfach stehenden Stuhl mit einem Walm nach Süden. Das Satteldach ist bis auf eine kleine Kammer am östlichen Giebel nicht ausgebaut.

Die Maingasse 16 ist ein zweigeschossiger Bau mit steilem Satteldach, der unter Einbeziehung älterer Bausubstanz in den 50er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts umgebaut wurde. Dieser Bau steht unter Denkmal-Ensembleschutz

Durchgeführte Maßnahmen

2013 wurde der Restaurantbetrieb des „Gasthaus zum Goldenen Löwen“ wieder aufgenommen, um die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Instandsetzung der Gesamtmaßnahme zu verbessern. In den Jahren 2020-2022 konnte dann das gesamte Anwesen grundhaft instandgesetzt, restauriert und zu einem Hotel umgebaut werden. Der Sanierung gingen diverse Voruntersuchungen wie verformungsgetreue Bestandaufnahme, Tragwerks-untersuchung und die Aufstellung eines Raumbuches voraus. Die besondere Herausforderung in der Planung und Bauausführung bestand darin dem Gebäudekomplex, der über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten gewachsen ist und mehrfach verändert wurde, ohne nennenswerte Verluste historischer Substanz eine gestalterische und architektonische Geschlossenheit zu geben. Hinzu kam die Schwierigkeit diverse unterschiedliche Niveaus zu verbinden. Das neu Hinzugefügte sollte sich dezent vom Bestand abheben, ohne in Konkurrenz zu treten. Trotz der teils außerordentlich schlechten Bausubstanz war nicht die Entkernung, sondern das „Herausschälen“ wichtiger architektonischer Elemente und Details die Zielsetzung. Historische Putze und Oberflächen sollten weitestgehend erhalten werden. Dementsprechend sorgsam wurden die Häuser freigelegt und von Wertlosem befreit, die Zwischenzustände dabei immer wieder dokumentiert und ausgewertet. Das Verstehen der bauhistorischen Zusammenhänge floss in die Gestaltung ein. Eine besondere Herausforderung in bautechnischer Hinsicht war die Erfüllung der brandschutztechnischen Anforderungen an ein Hotel mit 30 Betten im Baudenkmal.

Insbesondere der nordöstlichen Flügel des Dachstuhls und große Bereiche der Balkenlage über dem Erdgeschoss befanden sich in einem teils äußerst schlechten Zustand und konnten mithilfe eines denkmalerfahrenen Statikers und eines Zimmereibetriebes fachgerecht instandgesetzt werden. Die maximale Substanzerhaltung stand im Vordergrund. Viele der durch Feuchtigkeit angegriffenen und zerstörten Balkenköpfe und Sparrenfüße mussten mittels denkmalgerechter Anschäftungen instandgesetzt werden. Teile der Fachwerkwände, der profilierten Stirnbalken und der Mauerlatten befanden sich ebenfalls in einem reparaturbedürftigen Zustand. Die Holzbalkendecke über den Kreuzgratjochen war zu 100% zerstört und musste komplett erneuert werden.

Das barocke Erscheinungsbild des Gebäudes mit gebrochen weißer Wandfarbe und seiner nachgewiesenen Ocker-Fassung der Naturstein- Gewände konnte anhand von befunden und älteren fotografischer Aufnahmen rekonstruiert werden. Neben der restauratorischen Bearbeitung der teils stark geschädigten barocken Sandstein-Gewände wurde ein kunststoffgebundener Verputz des 20. Jahrhunderts entfernt und ein mineralischer, geglätteter Oberputz in denkmalgerechter Ausbildung aufgetragen. Innenausstattungsdetails, wie die historischen Treppen sowie eine Wand- und Deckenvertäfelung und die Sitzbänke eines historischen Gastraumes aus dem späten 19./frühen 20. Jahrhundert blieben ohne Veränderung. Lediglich schonend repariert, gereinigt und retuschiert werden sie heute im Gastbetrieb weiter genutzt.

In Abstimmung mit der Denkmalpflege sind die Fenster dreiteilig in sog. Galgenteilung mit schlanken Profilen in der Form vorgefundener Fenster des 19. Jahrhunderts ausgeführt. Auf der Nordseite konnten 2 originale barocke Kreuzstockfenster des 18. Jahrhunderts aufwändig restauriert werden. Sie erhielten aus wärmedämmtechnischen Gründen innen liegende Doppelfenster. Aus dem 18. und 19. Jahrhundert überkommene Türen sind tischlergerecht aufgearbeitet.

Die Maingasse 16 ist zwar kein Einzeldenkmal, jedoch wurde dieser Bau aufgrund seiner städtebaulichen Situation in dem hochkarätigen Ensemble mit besonderer Sorgfalt bearbeitet. In Abstimmung mit einem aufgeschlossenen Team von Ortsplaner, Denkmalpflege und Bauherrn konnten die Architekten eine zeitgemäße Architektursprache mit modernen Elementen und prägnanten Details entwickeln. Beispielsweise genannt sei die Entwicklung eines neuen Fenstertyps in Kooperation zwischen Architekt und Fensterbauer. Es handelt sich um eine Kombination aus filigranen, wärmeentkoppelten Stahlprofilen mit einem eigens entwickelten Holzprofil in geölter Eiche. Von besonderem handwerklichem Anspruch sind die Fenster mit Sitzflächen im Raum mit tiefen Holzleibungen, der Ausbildung von Lüftungsflügeln mit Stahlprofilen und den verschiebbaren Lamellen aus geölter Eiche.

Die Verwendung von Stahl in Form von 10 mm Flachstahl mit brünierter Oberfläche zieht sich gestalterische als roter Faden durch alle Gebäudeteile.

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